Christian Deegen

Christian Deegen – Dahlienzüchter und Handelsgärtner (28.01.1798 – 01.12.1888)

Der Handelsgärtner und Altmeister der deutschen Dahlienzucht Christoph Michael Daniel Degen – so geschrieben im Köstritzer Trauregister – wurde am 28. Januar 1798 in Kahla im Herzogtum Sachsen-Altenburg geboren. Bei seinem Vater erlernte er das Posamentier-Handwerk, übte dieses aber nicht aus. Nach seiner Lehre war er im Floßamt Kahla zunächst drei Jahre als Salzschreiber tätig und wurde daraufhin Beamter.

Schon seit frühester Kindheit interessierte er sich für die wild wachsenden Blumen in der Umgebung seiner Heimatstadt und für jene, die in den neu eingerichteten „Kunst-Gärten“, den Botanischen Gärten in Erfurt, Weimar, Jena und Leipzig, zu sehen waren.

Anlässlich eines wiederholten Besuches in den großherzoglichen Gartenanlagen von Belvedere bei Weimar, erhielt er wegen seines gezeigten Interesses im Frühjahr 1812 vom dortigen Garteninspektor Conrad Sckell verschiedene einfach blühende Dahlien geschenkt, die er anschließend im Garten seines Vaters zu vermehren begann. Mit dem erfolgreichen Erblühen dieser Blumenneuheit wurde seine Liebe zu den Dahlien geweckt, damals im deutschsprachigen Raum noch „Georginen“ genannt.

1816 erwarb Degen vom Gärtner Breiter aus Leipzig die erste gefüllte Dahlie `Formosa´ und 1822 kaufte er bei Handelsgärtner Weber in Jena die ersten weißen und gelben einfach blühenden Dahlien. In ihm reifte schließlich immer mehr der Gedanke, sich voll und ganz der Gärtnerei, der Blumenzüchtung zu widmen. Autodidaktisch eignete er sich hierfür nach und nach das erforderliche Wissen an. Den Wunsch, eine eigene Gärtnerei zu eröffnen und damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, konnte er sich erst nach seiner Heirat – und durch einen größeren Lotteriegewinn begünstigt – erfüllen.

Als ihm bekannt wurde, dass ein Fürstliches Palais in Köstritz (Fürstentum Reuß j.L.) mit einem großen 20.000 m² parkähnlichen Garten zum Verkauf anstand, fasste er den Entschluss, diese Immobile zu erwerben und zog 1824 mit seiner Verlobten Johanne Beyer, der Tochter des Kahlaer Ratsherrn und Floßmeisters Beyer nach Köstritz. 1826, nachdem er das Bürgerrecht von Köstritz erhalten hatte, konnte er am 15. September seine eigene „Handels-Gärtnerei mit Georginen“ eröffnen, sie war in dieser Art die erste in Deutschland. Gleichzeitig erschien auch sein erster gedruckter „Katalog mit Georginen“. Aus marktwirtschaftlicher Überlegung heraus kaufte er sich für 5 Goldmark ein zweites „e“ in seinen Namen, um „holländischer“ zu klingen und so konkurrenzfähiger zu sein. 

Schwere Schicksalsschläge trafen ihn, als 1828 seine Frau nach einer Totgeburt im Kindbett verstarb und ein Jahr später ein Großfeuer in Köstritz auch die Wirtschaftsgebäude seines Anwesens vernichtete. Doch ein unbeugsamer Wille ließ ihn sein Werk fortsetzen.
1833 heiratete Christian Deegen ein zweites Mal. Aus dieser Ehe gingen insgesamt 13 Kinder hervor – von denen überlebten seine drei Söhne Max, Franz und Carl als erfolgreiche Gärtner den berühmten Vater.

Als 1836 an der Universität in Jena die Tagung der „Gesellschaft deutscher Naturwissenschaftler und Ärzte“ stattfand, ging Christian Deegen mit seinen Georginen in eine gezielte Werbeoffensive und präsentierte den Tagungsteilnehmern über 200 seiner besten Sorten dieser schönen Herbstblumen. Dieses Vorhaben ebnete den Weg für die deutschlandweite Verbreitung der Dahlie und schuf die Voraussetzung für die späteren internationalen Verbindungen. Der anwesende Alexander von Humboldt, der 1804 von seinen Forschungsreisen nach Süd- und Mittelamerika Samen von Wildformen der Dahlie von Paris aus an den Berliner Botanischen Garten schickte, war erstaunt, welche züchterischen Erfolge bisher von diesen mexikanischen Naturarten erzielt wurden. Die Blumen waren in grünen Kästen sauber in Moospolsterung arrangiert und auf einer langen Tafel aufgestellt. Nach Deegens späteren Angaben sollen es fast 6.000 geschnittene Dahlien gewesen sein, die er so einem gelehrten Publikum zeigte. Diese Ausstellung kann sicherlich auch als „1. Deutsche Dahlienschau“ bezeichnet werden.

Nach dem großen Erfolg in Jena präsentierte Deegen seine „Mexikanerinnen“ auch auf den Leipziger Herbstmessen. Am Ende der 30iger Jahre fanden die Dahlien besonders in England eine begeisternde Aufnahme und wurden vorübergehend zur bevorzugten „Mode-Blume“. Christian Deegen und sein Köstritzer Kollege Hofgärtner Johann Sieckmann (seit 1836 mit einer eigenen Handelsgärtnerei in Köstritz) mussten sich der harten Konkurrenz aus England, Holland und Frankreich stellen und wurden dabei zeitweilig die führenden Dahlienzüchter Europas. Um den enorm gestiegenen Versand ihrer gärtnerischen Erzeugnisse von Köstritz aus zu bewältigen, brauchten diese Handelsgärtner eine Poststation am Ort. Deegen übernahm mit 400 Talern eine Bürgschaft bei der Post, so dass bereits 1840 in Köstritz die erste Poststation der Gesellschaft Thurn und Taxis außerhalb Geras eröffnet wurde.

Christian Deegen ermunterte seine Söhne und andere Züchter mit den Dahlien zu arbeiten und formulierte auch die Ziele seiner Züchtung, wie – „reichhaltigeren Flor, weniger Laubwerk am Busch, nicht all zu hohe Stauden oder ein zeitiges Erblühen …“ Er selbst träumte noch vom Züchtungserfolg einer „rein blauen“ Spezies und auch einer Dahlie mit angenehmer Duftnote. Beides blieb der „normalen Zucht“ ohne Genmanipulation bis heute unerfüllt. Leider hat Christian  Deegen über seine Erkenntnisse, Erfahrungen und Erfolge niemals publiziert. Seinen Erfahrungsschatz reichte er nur im engsten Familienkreis weiter. Deegen war kein streng kaufmännisch rechnender Handelsgärtner und so gab er von seinen vielen hervorragenden Züchtungen – trotz oftmals hoher Angebote – kaum welche ab. Doch noch heute gilt die 1881von ihm gezüchtete bildschöne rot-gelbe Balldahlie „Kaiser Wilhelm I.“ als die älteste deutsche Dahlie, die nach wie vor mit regem Kundeninteresse gehandelt wird.

Am Ende seines arbeitsintensiven und erfolgreichen Schaffens verkaufte er wieder das Palais und den Garten, denn seine Söhne hatten ihre eigenen Gartenbaubetriebe. Das Gebäude mit Garten wurde ab 1886 zur „Ackerbauschule“ von Prof. Dr. Hans Settegast (später auch „Höhere Landwirtschaftliche und Gärtnerische Lehr-Anstalt“). Der große Barockbau bot genügend Räume für die Lehrveranstaltungen und der Garten zudem günstige Voraussetzungen für die praktische Ausbildung der Studenten in den Fachrichtungen Landwirtschaft, Gartenbau und Landtechnik.

Der Köstritzer Ehrenbürger Christian Deegen starb hoch geehrt am 1. Dezember 1888 in Köstritz – kurz vor seinem 90. Geburtstag. Er wurde noch auf dem Alten Friedhof an der Kirche beigesetzt. Leider ist sein Grab heute nicht mehr vorhanden.

Mit der Bundesgartenschau 2007 in Gera und Ronneburg (BUGA) wurde am 19. Mai 2007 das Dahlien-Zentrum Bad Köstritz eröffnet. Es fühlt sich besonders der Köstritzer Dahlientradition mit dem Vermächtnis von Christian Deegen verpflichtet.

Seit 1997 verleiht die Stadt Bad Köstritz an verdienstvolle Dahlienzüchter und Institutionen, die sich um Züchtung, Präsentation oder Erhalt von historischen und seltener Dahlien-Sorten verdient gemacht haben, die “Christian-Deegen-Gedenkmedaille” der Dahlienstadt Bad Köstritz.

error: Inhalte sind geschützt!
Nach oben

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen